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Panem et circensem

projekte > Politik Gestern & Heute


Der Politik - Kurs der Jahrgangsstufe 12 der Geschwister Scholl Schule in Bensheim hat sich die Frage gestellt:

"Lassen sich Wähler Heute genauso gewinnen, wie Früher?"



Panem et circenses!


Lateinisch für "Brot und Spiele!" - gibt es das noch heute?



Vor knapp zweitausend Jahren veröffentlichte Decimus Iunius Iuvenalis (Juvenal), ein römischer Dichter, in einer Satireschrift über das römische Volk diesen wohlbekannten Satz und noch heute ist er weit verbreitet.
"Panem et circenses!" - Was Juvenal damit kritisiert, ist, dass das römische Volk nicht länger Politiker bevorzugt, die aufgrund ihrer Fähigkeiten und Zielsetzungen überzeugen, sondern nur noch eines will - Brot und Spiele; Essen und Spaß. An wahrer Politik scheint es kein Interesse mehr zu haben, solange nur das gesichert ist. Das Brot auf den Tellern, die Wagenrennen im Circus Maximus und die Gladiatorenkämpfe im Kolosseum, bei denen die Zuschauer kostenlos vom Veranstalter verpflegt werden. Diese Taktik der Politiker dient sicherlich einer Steigerung der Popularität, gewiss aber auch zur Ablenkung von politischen Fragen. Das Volk scheint stillgestellt zu werden.
Und weil diese Masche funktioniert, versprechen kurz vor den Wahlen viele Politiker genau das, was das Volk will. Brot und Spiele.

Wie beschränkt war eigentlich das römische Volk zu dieser Zeit? Stellen Sie sich diese Frage? Ich behaupte provokant, dass es in unserer heutigen Politik nur wenig anders aussieht. Kurz vor den Wahlen, was hört man da von Nord und Süd? Wahlversprechen. In aller Munde ist die Steuersenkung, die Partei X versprochen hat. Und Partei Y will die Fußball-Weltmeisterschaft nach Deutschland holen und neue Arbeitsplätze schaffen! Doch, ganz offensichtlich, Partei Z hat mit den Wahlgeschenken gepunktet, so etwas hat man ja noch nie gesehen!
Damit lassen wir uns zufrieden geben? Mit ein paar Geschenken und leeren Versprechungen, wo es doch um unsere Politik geht, um unser Land, unsere Zukunft!
Die Missstände, die Juvenal schon im alten Rom sah, kann man, wenn man danach sucht, auch heute in Deutschland finden. Bei Wahlentscheidungen fällt häufig die persönliche Sympathie schwerer in die Waage, als politische Forderungen bestimmter Politiker. Unterschwellig vermitteltes Wohlbefinden, beispielsweise durch stimmungshebende Großveranstaltungen, oder konkrete Planungen, die Steuern zu senken, lässt den Wähler womöglich unüberlegte Entscheidungen treffen. Rationales Abwägen kann gar nicht mehr stattfinden, wo Hoffnung und Veränderung gepredigt werden und angeblich nur von dem einen gepriesenen Politiker kommen können.
Politiker versprechen doch nur deshalb weiterhin, dass sie es sind, die alles besser und schöner machen würden, weil sie sich von diesen Versprechen etwas erhoffen. So scheint es also heute auch noch zu funktionieren, wie im alten Rom. Wer Großes verspricht, wird gewählt. Seien es Politiker wie Caesar oder Guido Westerwelle, seien es Brot und Spiele oder Steuersenkungen, das spielt eine verschwindend geringe Rolle.

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