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Leistungskurs-Wahl - spontan oder gut geplant?
Jeder Schüler der die Oberstufe besucht kommt um eines nicht herum, die Wahl seiner Leistungskurse nach der Einführungsphase (11. Klasse). Je nach Bundesland sind es zwei bis drei Leistungskurse, welche gewählt werden müssen. Unter bestimmten Vorgaben wählen die Schüler aus drei Aufgabenfeldern:
1. sprachlich-künstlerisch
2. gesellschaftswissenschaftlich
3. mathematisch-naturwissenschaftlich
Zu der Einschränkung durch die Aufgabenfelder kommt noch hinzu, dass es Mindestverpflichtungen gibt, zu diesen zählen Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Fremdsprachen. Demnach sind die Leistungskurse nicht frei wählbar. Die Stundenanzahl schwankt je nach Bundesland zwischen 4 und 5 Stunden pro Wochen. Die Leistungskurswahl bietet rechtlich keine Einschränkung der späteren Studienwahl, der erreichte Hochschulabschluss ist allgemein, jedoch sollte beachtet werden, dass ohne z.B. qualifizierte Mathematikleistungen viele Studiengänge nicht erfolgreich durchlaufen werden können. Innerhalb der Qualifikationsphase (12 und 13 Klasse) gibt es keine Versetzungen, jedoch wird ein Schüler mit zu vielen Unterkursen (unter 5 Punkte) oder mit einem Fehlkurs (null Punkte) nicht zum Abitur zugelassen, es sei denn der oder dir Kurs(e) werden nicht eingebracht. Leistungskurse sind Fächer in welchen höhere Anforderungen an die Schüler herrschen und diese weitestgehend selbständig arbeiten müssen. Wichtig sind auch die Übertragung und die Reflexion des erlernten.
Zunächst möchten wir uns mit Schülern der 13ten Klasse der Geschwister-Scholl-Schule beschäftigen, um herauszufinden, wie diese ihre Leistungskurse gewählt haben. Hierzu sollte erwähnt werden, dass die Schüler der Geschwister-Scholl-Schule 2 Leistungskurse wählen. Anschließend werden auch die Ansichten der Leitungskurslehrer der Geschwister-Scholl-Schule dazu befragt.
Bei unseren Recherchen und Gesprächen mit Schülern wurde zunächst eines sehr deutlich. Die meisten Schüler der Geschwister-Scholl-Schule entscheiden sich für einen Leistungskurs, welchen sie definitiv wählen werden, dieser rührt meist aus der persönlichen Neigung der Schüler, die zumeist auch mit einer Begabung für dieses Fach verbunden ist. Einige Schüler haben die Möglichkeit, trotz Einschränkungen, auch den zweiten Leistungskurs nach ihrer Neigung und Begabung zu wählen, andere hingegen wählen das sogenannte „kleinere Übel“, da ihre Wunsch-Leistungskurse nicht gemeinsam wählbar sind. Auffallend war ebenfalls der Einfluss der Noten in der Einführungsphase. Dies ist bei Schülern ohne genaue Vorstellungen ihrer Leistungskurse der Fall aber auch bei solchen, welche das bereits genannte „kleinere Übel“ wählen müssen.
Erstaunlich war auch die Erkenntnis über die Rolle des zukünftigen Lehrers bei der Wahl der Leistungskurse. Viele Schüler würden auf ihren Wunsch-Leistungskurs verzichten, wenn der zukünftige Lehrer als sehr streng gilt und demnach ohne weiteres keine guten Noten zu erwarten sind, analog dazu würde sie einen Leistungskursk wählen, welcher nicht ihrer Neigung oder Begabung entspricht, wenn die Aussichten auf gute Noten groß ist. Ob ein Lehrer streng ist oder nicht, wird meist aus bereits vorhandenen Erfahrungen mit diesem abgeleitet oder der Aussage ehemaliger Schüler des Lehrers entnommen. Einige Schüler bedenken bei der Wahl eines ihnen nicht entsprechenden Leistungskurses kaum, dass sie ihr Abitur in diesem ablegen müssen. Unterrichtet diesen Leistungskurs ein Lehrer bei dem es angeblich bessere Noten gibt, sind die Schüler bereit eine weniger gute Abschlussprüfung abzulegen, wenn sie hierfür die Chance auf gute Halbjahresnoten haben.
Eine große Anzahl an Schülern vertritt die Meinung, dass durch die Einschränkungen bei der Wahl ihrer Leitungskurse ihnen gleichzeitig die Chance genommen wurde ein womöglich besseres Abitur zu absolvieren. Hierzu muss jedoch erwähnt werden, dass eine Koordinierung der Stunden beim einen Wegfall der Einschränkungen unmöglich wäre. Den Schulen fehlt es hierzu an Lehrern und selbst wenn diese Vorhanden wären, wäre eine Koordinierung der Stunden letztlich immer noch kaum möglich. Leider konnten wir auch aus einigen Gesprächen entnehmen, dass viele Schüler ihre Leistungskurse nach ihrer Neigung gewählt haben, später aber feststellen mussten, dass sie den Anforderungen nicht gerecht werden. Hieraus wird der Wunsch nach Orientierungsfächern laut. Diese könnten zusätzlich in der Einführungsphase gewählt werden, um die bedachtere Entscheidung der Leistungskurse zu erreichen.
Bei der Wahl der Leistungskurse ist eine geringe Geschlechtsspezifität zu erkennen. Die Naturwissenschaften sind bei Jungen weiterhin sehr beliebt, dennoch war zu beobachten, dass es z.B. im Mathematik-Leistungskurs genauso viele Jungen gibt wie im Englisch-Leistungskurs. Bei den Mädchen sind die sprachlichen Fächer weiterhin sehr gefragt, jedoch konnten wir feststellen, dass sich im Biologie-Leitungskurs mehr Mädchen als Jungen befinden.
Die Aussagen der befragten Lehrer deckt sich weitestgehend mit denen der Schüler.
Die Geschlechtsspezifität der Leistungskurs-Wahl war auch für sie nur noch sehr gering. Diese Entwicklung sei zum Teil auch deshalb zu beobachten, weil vergleichsweise mehr Mädchen die Oberstufe besuchen als vor 10 Jahren. Die Lehrkräfte vertreten die Ansicht, dass die Leistungskurs-Wahl unterschiedliche Bewegründe hat. Die Schüler wählen ihrer Meinung nach aufgrund persönlicher Neigung und Begabung, ebenfalls konnten sie auch eine lehrkraftbedingte Leistungskurs-Wahl beobachten. Dies deckt sich mit den Befragungen der Schüler. Orientierungsfächer halten die Lehrkräfte für minder sinnvoll, die Begründungen hierfür gehen jedoch auseinander.
Eine Vielzahl der Lehrer können nur punktuelle Fehlwahlen erkennen, andere hingegen sehen ein Problem aufgrund der Realschüler. Die Realschüler müssen auf das Niveau der Gymnasiasten gebracht werden und sich an die neuen Bedingungen einfühlen, die Orientierungsfächer währen hierbei kontraproduktiv. Eine Möglichkeit wäre im zweiten Halbjahr Orientierungsfächer einzuführen, so hätten die Realschüler etwas Zeit sich den vorrangigen zu widmen. Ein weiterer Vorschlag eines Lehrers war es ca. 3 Wochen vor den Osterferien oder in den letzten 14 Tagen der Einführungsphase den Unterricht auf Leistungskurs-Ebene zu halten, um den Wunsch der Schüler etwas entgegen zu kommen.
Unsere Recherchen brachten interessante Ergebnisse hervor. Einiges überraschte uns etwas, wie beispielweise, dass doch eine größere Anzahl der Schüler ihre Leistungskurs-Wahl vor allem aufgrund des zukünftigen Lehrers wählen, was auch die Lehrer größtenteils bestätigen konnten. Anderes war zu erwarten, dazu zählte der Wunsch der Schüler nach Orientierungsfächer in der Einführungsphase, interessant waren hierbei die Lösungsvorschläge der Lehrer, da diese den Wunsch der Schüler entgegenkommen würde, gleichzeitig aber auch von Seiten der Schule koordinierbar wäre. Unserer Meinung nach sollten die Schüler mehr Verständnis für die Einschränkungen bei der Leistungskurs-Wahl aufbringen, da es für die Schule nicht möglich wäre einen Stundenplan hierfür zu erstellen, zudem würden bei kleineren Stufengrößen viele Leistungskurse nicht zustande kommen, da diese von einer zu geringen Anzahl an Schülern gewählt werden würde. Auch wäre die Lehrerkapazität nicht ausreichend um eine freie Wahl der Leistungskurse zu ermöglichen.